Medizinischer Dienst

Medizinischer Dienst

Krankenkassen schalten gerne den MD (Medizinischen Dienst der Krankenkassen, [früher MDK]) ein, wenn Sachbearbeiter Klärungsbedarf zu einer Verordnung haben. Diese Verordnungen können sich auf Hilfsmittel, Heilmittel oder Therapien beziehen. Da die Sachbearbeiter bei den Krankenkassen keine Ärzte bzw. Experten sind, müssen sie sich externe Expertise einholen. Das ist völlig normal und legitim solange hierbei die Regeln der Datenschutzgrundverordnung eingehalten werden wovon ich ausgehe.

Dennoch sehe ich aufgrund meiner mehr als 35jährigen Tätigkeit im Gesundheitswesen ein großes Problem in diesem System. Und das besteht darin, dass die eigentliche  Verordnung von Fachärzten ausgestellt werden und diese nun von NICHT-Fachärzten beurteilt /überprüft werden. Das ist aus meiner Sicht schizophren.

Hinzu kommt, dass Mitarbeiter einzelner Krankenkassen oft und gerne die Aussage treffen "Der MD hat das abgelehnt."

Also der Reihe nach. 
Der Patient ist sachlich gesehen ein Antragsteller. 
Ansprechpartner ist einzig und alleine die Krankenkasse. Diese entscheidet, ob sie dem Antrag entspricht oder diesen ablehnt. Der MD ist - im Rahmen seiner Fähigkeiten - beratend tätig und hat keine Befugnis oder Kompetenz einen Antrag zu genehmigen oder abzulehnen. Der MD ist und bleibt Berater.

Ganz nebenbei schreibt auch keine Krankenkasse "Der MD hat die Leistung bewilligt". Der MD wird also als "Buhmann" ins Feld geführt. Ganz unschuldig daran ist er nach meiner Erfahrung nicht. Aber man muss die Vorgänge und Verantwortlichkeiten schon sachlich korrekt betrachten.
Daher hier noch einmal, der MD genehmigt keine Anträge und er lehnt auch keine ab.
Das ist einzig und alleine Aufgabe Ihrer Krankenkasse.

Nun kommen wir aber zu dem weitaus größeren "Problem". Beim MD wird - entgegen der Namensgebung -  nicht nach medizinischen Aspekten (M) sondern nach Sozialen (S) (bestenfalls Sozialmedizinischen) Aspekten bewertet. Streng genommen müsste der MD also SD heißen. Und nun treffen wir des Pudels Kern. 

Wir als Patienten wenden uns an unsere Krankenkasse wegen medizinischer Probleme und nicht wegen sozialer/sozialmedizinischer Probleme. 
Kurz und knackig, der MD ist fachlich gesehen so überflüssig wie ein Kropf.

Worüber reden wir hier eigentlich?

Ihr Arzt (ich gendere nicht) kennt Sie und Ihre Krankheitsgeschichte u.U. jahre- oder jahrzehntelang und kann Ihre Medikation/Therapie als Facharzt am besten beurteilen. Er sieht Sie regelmäßig, kann anhand Ihrer Werte Veränderungen Ihres Gesundheitszustandes beobachten, ggf. engmaschig überprüfen und dieser Facharzt, der ganz nahe am Ort des Geschehens (am Patienten) ist, wird nun von einem NICHT-Facharzt (im schlimmsten Fall nicht einmal Arzt)  "überprüft"?

Finde den Fehler.

Natürlich müssen und können Krankenkassen nicht blauäugig alle Therapieempfehlungen oder Hilfsmittelanträge ungeprüft durchwinken. Der MD ist jedoch - aufgrund des völlig falschen Beurteilungsansatzes - die falsche Anlaufstelle. Wenn eine Krankenkasse Zweifel hat, ist sie gut beraten eine Zweitmeinung einzuholen. Dieses Recht haben Patienten schließlich auch. Hierbei muss jedoch sichergestellt sein, dass die Instanz, die hier zu Rate gezogen wird den gleichen fachlichen Hintergrund hat wie der Facharzt. Eine Beurteilung kann also bestenfalls von einem anderen Facharzt erfolgen und dieser wird sich schwer tun wenn er nicht die vollständige Patientenakte einsehen kann und den Patienten selbst gesprochen hat.

Entsprechend sind - nach meiner persönlichen Erfahrung - fast alle Stellungnahmen des MD fachlich fehlerhaft, zumindest zweifelhaft und widerlegbar. 
Lassen Sie sich also nicht mit der Aussage " Der MD hat das abgelehnt" abspeisen sondern haken Sie nach. In den meisten Fällen ist es nicht schwer die Ausführungen des MDKzu widerlegen.