Digitalfunk

Digitalfunk

Wenn ich in meiner kurzen Zeit als lizenzierter Amateurfunker  eines gelernt habe, dann das es eine unsichtbare "Kluft" zwischen Analog- und Digitalfunkern zu geben scheint.

Digitalfunk oder wie manche es nennen "Mausfunk" ist nun mal eine Betriebsart, bei der die größte Strecke digital also via Internet zurück gelegt wird. Das hat nun wirklich nicht viel mit dem Funk zu tun, den wir analog von Antenne zu Antenne betreiben. Streng genommen kann man dann auch das Telefonbuch von z.B. New York nehmen und zufällig eine Nummer wählen um dann mit den Menschen dort zu reden. Das würde aber niemand machen. Betrachtet man aber die Basics oder die Definition von Amateurfunk, dann stehen da der experimentelle Charakter und die Völkerverständigung im Vordergrund.

Wenn wir uns das im Hinterkopf behalten, bekommt das Ganze schon einen anderen Geschmack, denn egal ob wir C4FM, D-Start oder DMR betreiben, jedes dieser Verfahren muss verstanden und verinnerlicht werden. Da gibt es Talk-Groups, Reflektoren, DG-IDs, DRM-IDs und vieles mehr. Um also beispielsweise DMR-Funk zu betreiben muss man das richtige Funkgerät haben (Stichwort Tier1, Tier2 und Tier3), braucht einen Code-Plug, muss etwas über den Color-Code wissen ...
Kurzum, das ist nun auch nicht gerade trivial und viele Analogfunker befassen sich schon deshalb nicht mit Digitalfunk, weil das eine Parallelwelt zu sein scheint.

Betrachten wir das aber mal ganz kritisch, ist der Remote-Betrieb auch nichts anderes als "Mausfunk" denn der Einstieg geschieht über den PC und eine Internetstrecke. Hier wird zwar anschließend der größte Teil der Strecke analog gearbeitet, aber ganz ohne PC und Digitaltechnik geht es dann auch nicht. Die Frage ist daher die, wo man für sich persönlich die Grenze ziehen möchte.

Beurteilen wir die Sprachqualität über (ich bleibe jetzt mal bei DMR) ist gerade über weite Strecken i.d.R. deutlich besser als analog.
Die jeweiligen Stationen sind auch keine schlechteren oder minderwertigen Funker sondern ganz normale Funker, die wie die Analogfunker auch die gleiche Prüfung abgelegt haben, ein Rufzeichen haben und die Betriebsabwicklung kennen. Vielleicht sind sie das, was man schlechthin als "antennengeschädigt" bezeichnet. Dann ist es doch schön, wenn man auch mit einfachen Mitteln an Funkbetrieb teilhaben kann.
Das hier nur ein Teil der Strecke analog zurückgelegt wird muss uns nicht stören. Speziell dann, wenn wir ggf. selbst viel im VHF und UHF-Funkbetrieb unterwegs sind und uns der Vielzahl von Repeatern bedienen um Reichweite zu erzielen.

Und dann gibt es noch die Kritiker, die sich darüber wundern oder sogar aufregen, dass solche QSOs auch noch geloggt werden. 
Warum nicht. Im Log wird der Empfang bestätigt. Nicht mehr und nicht weniger. Zwei oder mehr Stationen bestätigen sich gegenseitig miteinander gesprochen zu haben. Okay, viele verstehen dieses Log als "Leistungsnachweis" für eine erfolgreich gearbeitete Verbindung. Aber was heißt hier eigentlich "gearbeitet"? Ist es Arbeit am Funkgerät zu sitzen und mit fremden Menschen irgendwo auf der Welt ein paar Worte auszutauschen? Speziell dann, wenn es über den reinen Bestätigungsverkehr (meist 59) nicht hinausgeht? 
Ich selbst bin Neuling (Klasse N im Januar 2025, Klasse E  im Mai 2025 und Klasse A im September 2025). Als Neuling befasse ich mich mit allem, was der Amateurfunk mir bietet.  Geräte, Antennen, Betriebsarten und ich freue mich, wenn ich Menschen finde, mit denen ich mich zu den jeweiligen Themen austauschen kann. Das kann reiner Bestätigungsverkehr im Analogbetrieb mit Brasilien oder den USA sein, das kann aber auch im UKW-Bereich ein längeres QSO mit OMs aus der Nachbarschaft bzw. im Umkreis von 100 - 200 km sein. Und es kann das QSO via DMR mit VK2GAP "Der Stimme Australiens" (wie ihn unlängst eine italienische Station nannte) sein.
Als Anfänger ist vieles für mich experimentell und jedes QSO dient der Völkerverständigung. Da mache ich keinen Unterschied ob nun ein OM aus Russland oder der Ukraine ist, oder aus Israel oder Palästina ist.


In diesem Sinne 73 euer DB2SD