Schnabeltiertörn 2016





und täglich gab's Cevapcici

Offizieller Name Republik Slowenien
Geographische Lage Europa 13º O - 17º O / 45º N - 47º N
Geschichtliches
Gründungsjahr
1991
Politisch abhängig von Jugoslawien bis 1991
Einwohner/Staat 2.010.347 Einwohner (2006)
Hauptstadt Ljubljana
14º 30' O 46º 03' N
305 000 Einwohner
Größte Stadt Ljubljana (305.000 Einwohner)
Amtssprache Slowenisch
Codes SI, SVN, www.*.si
Landesgrenze gesamt 1.334 km
Gesamtfläche 20.273 qkm
Landfläche 20.151 qkm
Wasserfläche 122 qkm
Küstenlinie 47 km
Angrenzende Länder Österreich 330 km, Kroatien 670 km, Italien 232 km, Ungarn 102 km
Tiefster Punkt Adriatisches Meer 0 m
Höchster Punkt Triglav 2,864 m
Währung früher 1 Tolar (SLT) = 100 Stotin - heute Euro (€)
Unabhängigkeit 25. Juni 1991 (von Jugoslawien)
Nationalfeiertage 25. Juni (Souveränitätstag), 26. Dezember (Tag der Unabhängigkeit)
Zeitverschiebung 0 Stunden (zu Deutschland)
Religionen Christen 90,0 %, Sonstige 10,0 %
Ethnische Gruppen Kroaten 3,0 %, Serben 2,0 %, Sonstige 90,0%, Sonstige 5 %
Adjektiv Slowenisch
Bewohner Slowene
Bewohnerin Slowenin
UNO-Mitgliedschaft seit 1992

Reisedaten: 04.06. - 11.06.2016
Die Route Portorož nach Venedig ist immer eine Reise wert. Beim Erstellen der Crewliste kurz vor Weihnachten 2015 stelle ich fest, dass drei von fünf Teilnehmern im hohen Norden das Licht der Welt erblickten. Zwei davon leben inzwischen jedoch in der Segeldiaspora, eine davon ist meine Frau, die bislang Segeln mit Abstand betrachtete, was den regionalen Möglichkeiten (z.B. Jollensegeln auf dem Neckar) geschuldet ist.
Personen, die öfter mal einen Blick in meine Törnberichte riskieren werden feststellen, dass Karsten und Carli meist mit von der Partie sind. Auch wenn keiner von uns zigtausende Seemeilen Erfahrung vorzuweisen hat, würde ich uns als eingespieltes und erfahrenes Team bezeichnen.
Kurz vor Neujahr informierte mich Karsten, dass er einen weiteren Kieler Jung für unsere Törn begeistern konnte. Somit war das Schiff für uns voll belegt, denn der Salon bleibt bei uns immer frei - soweit jedenfalls der Plan.
Die Bilanz Nord/Süd änderte sich mit Helmut auf 4 Nordlichter von 6 Teilnehmern. Aber was soll's, ich werde auch diesmal meine hessische Landesflagge mitnehmen und dafür sorgen, dass hessisch Bordsprache ist. Wenigstens versuchen werde ich es.

Bei der Auswahl unseres Schiffes legte ich großen Wert auf einen verlässlichen Vercharterer. Unserer Erfahrung mit der Dufour 325 (der Jonathan blue 1) aus 2016 ließ mich nicht lange überlegen. Das Schiff war ein einem Top-Zustand weswegen wir gar nicht erst andere Vercharterer anfragten.

Wir suchten nach einem Schiff, dass ausreichend Platz für 6 - 6 Personen bietet, wegen der möglichen Versandung bei Punta Faro und Gardo nicht mehr als 2 m Tiefgang hat und - ja auch wir werden älter und bequemer - ein Rollgroß hat. Wir "gerieten" an eine Dufour Gib Sea 37, die - um es vorweg zu nehmen - für 6 Personen nach heutigen Maßstäben nicht geeignet ist da das Schiff (BJ2002) noch nach älteren Formeln konstruiert ist und nicht das bei modernen Schiffen übliche breite Heck mit entsprechendem Platzangebot bot.
Hinzu kam, dass wir bislang tendenziell mit kleinen Crews unterwegs waren und auch 2016 mit einer 4-Personen-Crew rechneten. Am Ende waren es dann doch 6 Personen und das Schiff war gebucht.
Nun ja, auch aus diesem Törn würden wir wieder Erfahrungen mit nachhause bringen.


Unser Schiff:
Segelyacht: Dufour Gib Sea 37 (BJ 2002)

LüA
Breite
Tiefgang
Rollgroß &  Rollgenua
Motor
Wasser
Diesel
Kojen/Kabinen

11,00 m
3,72 m
1,65 m
70 m²
?
452 l
160 l
3/2

Ist auch diesmal durch Frühbucher- und Treuerabatt sehr preiswert. Durch die tatsächliche Besetzung mit 6 Personen kommen wir auf gerade einmal 110,00 € Charterkosten pro Person.
Eine Bahnfahrkarte von München nach Hamburg ist teurer.


Belinda, Hermann, Stefan (Backbord)
 Kasten, Hermann und Frank (Steuerbord)

Diesmal ist vieles oder alles anders. Wir haben mit Karsten, Carli und mir drei erfahrene Segler an Bord. Mit Belinda (meiner Frau), Frank und Hermann drei Neulinge. Frank  hat bei seinem Grundschein beim DHH in Glücksburg erste Segelerfahrung auf einem Folkeboot gesammelt, Hermann hat den SBF See und hatte den SRC druckfrisch in der Tasche was ihn als Funker qualifizierte. Belinda bekam die Bordkasse auf Auge gedrückt, Karsten übernahm wieder die Rolle des Skippers und Navigators. Ich durfte wieder "dozieren" und Carli sprang überall da ein, wo sich Arbeit auftat. Schlussendlich spielte sich das Team sehr schnell so ein, dass Carli und Hermann beim Anlegen die Moorings machten (DANKE!!), Frank die Achterleinen bediente, Karsten oder Stefan die Manöver fuhren und derjenige, der nicht fuhr die Manöver einteilte, überwachte und Anleitungen gab.

Um es vorweg zu nehmen. Es gab kein Hafenkino, keine Schäden am Schiff und der Ton, speziell während der Manöver war total relaxt was daran lag, dass sich Karsten und Stefan inzwischen fast ohne Worte verstehen, kurz und knapp auf ein Manöver verständigen und derjenige, der das Manöver nicht fuhr, rechtzeitig die Mannschaft instruierte.


Die Anreise erfolgte mit den eigenen Fahrzeugen. Auch hier hat sich inzwischen Routine eingeschlichen. Gefahren sind Karsten und ich.
Wir planten für die Fahrt aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Portoroz 10 - 12 Stunden ein, was uns entspanntes Fahren und ausreichende Pausen ermöglichte.
Wir starteten in der Nacht um wenig Verkehr zu haben und planten ein Frühstück im Restaurant der Marina Portoroz ein.

Da wir diesmal mit Frank und Hermann zwei Mitreisende hatten, die aus Hamburg und Kiel anreisten, kamen diese kurzerhand einen Tag früher, wurden für die private Übernachtung bei Karsten und uns (Belinda und mir) aufgeteilt.

Am Samstag, den 04.06.2016 ging's dann in der Nacht los.
Aufgrund mehrfacher, nachdrücklicher, schriftlicher Erinnerung waren diesmal beim Reisegepäck keine Koffer zu finden. Wir teilten das Gepäck und die Mitfahrer auf zwei Kombis auf und starteten mit vollen Tanks.


Samstag 04.06.2016
Am Vormittag treffen wir bei der Marina Portorož  (45° 30,32' N 013° 35,8 E) ein, melden uns bem Vercharterer. Stefan erledigt dort den Papierkram während die Übrigen schon mal mit dem Frühstück beginnen.

Danach wird das Schiff übernommen, alles gecheckt, die Bordkasse bestückt, die Kajüten bezogen und festgestellt, dass das Schiff für uns alle viel zu klein ist.
Also beschließen wir, nicht auch noch an Bord zu kochen. Entsprechend großzügig wird die Bordkasse bestückt.

Nach guter Seemannschaft besorgen wir dann eine Notversorgung an Nahrung und Getränken.
Im Anschluss daran beginnt Karsten mit dem ersten Teil der Sicherheitseinweisung, den Verschlusszuständen, gibt Instruktionen zu Handhabung der Bordtoilette, Gasherd und informiert alle darüber, dass er die Maßnahmen zur Reinhaltung der Meere nicht nur "predigt" sondern ernst nimmt.
Im zweiten Teil, der nach einem Stadtausflug und einer ersten gemeinsamen Malzeit in Slowenien erfolgt, werden Notrollen, Motorkontrolle, Umgang mit dem Feuerlöscher u.v.m. besprochen.

Da wir WLAN an Bord haben, dies aber in Kroatien volumenabhängig ist, werden klare Verabredungen getroffen. WLAN an Bord gehört der Navigation und dem Wetterbericht.
Letzterer wird an diesem Tag noch eingeholt und verspricht und für den kommenden Tag schwachen aber beständigen Wind von 2- 3 Bft aus überwiegend westlicher Richtung.
Wir beschließen daher unseren Plan nach Venedig zu segeln zugunsten der ohnehin reizvolleren istrischen Küste zu ändern.


Törn:

Wettervorhersage für diesen Tag:
Sonntag 05.06.2016
An der Wettervorhersage hat sich nichts geändert, also bleiben wir auch bei unseren Reiseplänen

Die erste Nacht in den engen Achterkabinen forderte ihren Tribut. Entsprechend spät kamen wir aus den Kojen obwohl die nicht die alleinige Schuld trugen. Wer auch die anderen Törnbericht gelesen hat weiß, dass wir morgens immer antriebsarm sind.

Unsere gemeinsame Reise war als Schnuppersegeltörn für Neulinge angedacht. Es gab also kein Aufgabenpensum, dass uns vorgeschrieben hätte eine Mindeststrecke zurück zu legen. Auch gab es im Anschluss keine Prüfung, weswegen bestimmte Manöver zwar erklärt und gefahren wurden, jedoch nicht in der Intensität wie es zum Bestehen einer Prüfung erforderlich gewesen wäre.

Der Weg sollte das Ziel sein und da uns dieser nach Kroatien führt, gilt auch nach dem Beitritt Kroatiens zur EU (01.06.2016) das Procedere des Aus- und Einklarierens, da Kroatien dem Schengen-Abkommen bislang noch nicht beigetreten ist.

Für uns bedeutet dies, den  mehr oder weniger direkten Weg von Portoroz nach Piran wo wir ausklarieren um, um die Huk herum, in Umag für Kroatien einzuklarieren. Wohl dem, der sich für diesen administrativen Akt ausreichend Kopien der Crewliste gemacht hat.
Wir waren dem Gedanken aufgesessen, dass Kroatien mit dem EU-Beitritt auch dem erleichterten Grenzverkehr bzw. den erleichterten Grenzkontrollen beigetreten sei.

Gegen Mittag (genauer um 11:20) legten wir unter Maschine ab, übten verschiedene Manöver und legten in Piran  um 13:15 an.

Das Einklarieren dauert 45 Minuten obwohl vor uns nur eine dreiköpfige Männercrew aus Italien ist. Ab 13:50 Uhr sind wir dann hochoffiziell und mit amtlichem Se(e)gen in Kroatien unterwegs, setzen nacheinander Groß und Fock und kreuzen mit südöstlich- und südwestliche Kursen Richtung Umag wobei uns nicht der - nach wie vor überwiegende westliche Wind - zum kreuzen zwingt sondern das, Triest vorgelagerte, Verkehrstrennungsgebiet aus dem wir uns freihalten wollen.
Ein konstantes Hoch mit 1015 hPa begleitet uns tagsüber und sorgt für fast wolkenlosen Himmel und annehme Temperaturen bei denen fast jeder mal Ruder geht.

Um 18:20 legt die Kristina (MMSI 278511000) Callsign: S5P2860 in der Marina Umag erstmalig mit Moorings an.
Unser Etmal beträgt 24 sm.
Der Liegeplatz für unser kleines Schiff kostet 61 €.
Die Marina in Umag ist gut in Schuss, die Toiletten und Waschräume in einem ausgesprochen guten und großzügigen Zustand was den Preis relativiert.
Die Wege dort hin sind weit.
Wir speisen in der Gaststätte der Marina in der sich Karsten - wie schon am Vortag - Cevapcici bestellt.

Unsere abendliche Position in Umag:
ɸ 45° 26,3' N    ʎ 013° 31,0' E


Umag


Montag 06.06.2016

Wer diese Seiten häufiger besucht weiß, dass unsere Törns immer spezielle Namen bekommen. Diese Namen haben dabei stets etwas mit den jeweiligen Törnbesonderheiten zu tun. Ich möchte daher die Leser nicht länger auf die Folter spannen, wie es zur Bezeichnung "Schnabeltier-Törn" kam.

Für Hermann man dieser Törn der erste Segeltörn. Entsprechend informierte er sich vorbildlich über die Themen Klima und Sonnenschutz. Der Sonnenschutz für den Nasenrücken ist vorbildlich, aber ungewohnt. Kein Wunder also, dass sich Hermann den einen oder anderen Vergleich mit dem Tierreich gefallen lassen musste.

Übrig blieb das Schnabeltier.

 

 

 

Unser zweiter Reisetag war Montag der 06.06.2016. Unser Ziel für diesen Tag war Rovinji, das kroatische "Venedig".

Unser morgendlicher Check ergibt ca. 136 l Treibstoff, ca. 420 l Wasser, eine tockene Bilge, intakte Beleuchtung und ausreichende Proviantvorräte. Wir sind also bestens vorbereitet auf die Tagesetappe von ca. 50 sm.

Der Wetterbericht (DWD) berichtet von einem Hitzetief über Spanien (1013 hPa) wobei ich hier noch kein Tief erkennen kann Dieses Tief soll sich leicht abschwächen. Im übrigen Mittelmeerraum nur geringe Luftdruckgegensätze. Trotz dieser fehlenden oder geringen Luftdruckunterschiede verspricht man uns für die nördliche Adria ab 1200 UTC 2 - 3 Bft N-NW, später weiter rückdrehend auf NW mit 2 - 3 Bft..

Bei einem Loggestand von  10529 sm legen wir gegen 1100 LT in Umag (ɸ 45° 26,3' N    ʎ 013° 31,0' E) ab und setzen ca. 1/4 Stunde nach Auslaufen Groß und Fock.
Wie bei den geringen Luftdruckunterschieden zu vermuten war, wurde es nichts mit den segelbaren Winden, so dass wir um 1300 die Segel einholten und motorten.

Um ca. 16:00 Uhr war unser Zielhafen in Sicht, das Wetter und die Temperaturen noch verführerisch so dass wir für die Einsteiger einige Übungen unter Maschine (Kurs nach Kompass, Rückwärtsfahrt nach Kurs, Drehen auf dem Teller etc.) fuhren.
Ursprünglich war der Törn ja nicht als Ausbildungstörn vorgesehen, es schadet ja aber auch nicht, wenn jeder an Bord erkennt, wie sich das Schiff bei Rückwärtsfahrt und Manövern verhält.

Währen der Manöver tragen wir alle brav unsere unkonfortablen Sicherheitswesten.
Wer mit dem eigenen Auto anreist und eigene Westen hat, sollte diese mitnehmen.

 

 

 

 

Die Kirchtürme (siehe Umag) sind alle sehr ähnlich. Dennoch hat Rovinji etwas besonderes. Um 17:00 Uhr legen wir hier an, freuen uns über unser Anlegerbier und Stefan beschließt "Es lebe das Patronat!", dass wir hier in eine ihm bekannte Pizzeria gehen.
Anmerkung der Redaktion: Widerstand zwecklos.

Wer das erste Mal die istrische Küste mit dem Schiff bereist sollte sich speziell im Bereich der Nordadria mit einem guten Revierführer (z.B. Beständig) ausstatten. Gerade die kleinen Marinas wie Umag oder Rovinji weißen Gefahrenstellen auf, die es für Segelyachten aufgrund des Tiefgangs zu beachten gilt.

Das Experiment ist geglückt.
Also das mit einer Frau an Bord. In der Marina festgemacht (auch hier erwarten uns Moorings) kümmert sich Belinda in aller Sorgfalt um alle wichtige Belange:

- Anlegerbier
- Schiffspapiere für den Hafenmeister
- Bordkasse zum Essen gehen

Man(n) muss sagen, Belinda hatte den Männerhaufen gut im Griff.

 

Bilder vom "Aufstieg" zur Kirche und dem vereinzelten Leiden durstiger Seelen, die viel lieber direkt in die nächstgelegene Kneipe mit Cevapcici gegangen wären, erspare ich Euch. Diese Bilder wären nichts für sanfte Gemüter.

Da wir nicht reserviert hatten, war für uns im urigen (unteren) Bereich der Pizzeria kein Platz mehr weshalb man für uns den nobleren Bereich öffnete. An diesem Abend musste Karsten besonders stark sein, denn er musste sein Cevapcici-Vergleichs-Essen unterbrechen.
Wenn das mal nicht das Ergebnis der Untersuchungsreihe verfälschte.

Irgendwann passt auch an diesem Abend weder weder feste noch flüssige Nahrung mehr in uns rein und wir begaben uns zu unsere Kristina wo Stefan aufgrund der engen Platzverhältnisse in der Achterkabine in den Salon "auswanderte".

Unsere abendliche Position in Rovinji:
ɸ 45° 04,635' N    ʎ 013° 38,159' E
Die Gebühren der Marina: 77,00 €


Dienstag 07.06.2016 (3. Seetag)

Unser Reiseziel für heute ist Pula (Marina Veruda) und stellt mit ca. 20 sm die bislang kürzeste Teilstrecke dar.
Der Wetterbericht vom Vortag verheißt uns für diesen Tag Gewitter mit den dazugehörigen umlaufenden Gewitterböen. Der aktuelle Tagesbericht prognostiziert Wind aus nördlicher Richtung zwischen 0 (also kein Wind) bis max. 2 Bft. (also wenig Wind).
Weitere Angaben, die einen wolkenlosen Himmel bei einem ausgeprägten Hoch (1020 hPa über Venedig und 1019 hPa über Pula) vorhersagen lassen, verunsichern uns was die Gewitterprognose angeht. Schlussendlich verspricht der aktuellere Wetterbericht um 0600 UTC Wind aus NNE (im Osten) und E in der östlichen Nordadria (Pula).

Wir orientieren uns also an wolkenlosem Himmel eines ausgeprägten Hochdruckgebietes das aus dem dann aus nicht vorhandenen Gewitterwolken Gewitter mit entsprechenden Gewitterböen entstehen sollen.

Selten haben Wetterberichte für mehr Unklarheit gesorgt wie diese was dazu führt, dass wir uns für die kurze Tagesetappe entschließen.

Gegen 11:00 legen wir also bei 1 Bft. ab und verlassen unsere aktuelle Position:
ɸ 45° 04,635' N    ʎ 013° 38,159' E. Unser Bordbarometer stimmt mit dem Barometer an Stefans Segleruhr überein. Beide zeigen 1022 hPa an. Aber wichtig ist hierbei ja ohnehin nur die Luftdruckveränderung innerhalb der nächsten Stunde/n und auch dies nur bei Druckabfall.

Trotz kaum wahrnehmbarer Luftbewegung setzten wir um 11:38 Groß und Fock sowie neuen Kurs 170° (KÜG). Bei "Wind" aus N von 1 Bft. machen wir auf unserem tiefen Raumschot- Bis Vorwindkurs kaum Fahrt und das fühlt sich nicht nur so an.

Kaum Wind, dafür heftig Sonne veranlassen uns dazu das Bimini auszubringen und Schatten zu spenden.

Wir dösen und treiben mehr oder weniger unserem Ziel entgegen bis schließlich gegen Mittag der Wind von N nach NW dreht und innerhalb der nächsten Stunde bei konstantem Luftdruck (1023 hPa) auf 4 Bft zunimmt.

Während wir mit ca. 3 sm Distanz zur Küste einen Wolkenlosen Himmel über uns haben, türmen sich über Land heftige Cumulonimbus auf. Wenig später beobachten wir aus unserem Schönwettergebiet heftige Gewitter über Land.

Das ist die Zeit, zu der Hermann Ruder geht und den "Titel" für die höchste Geschwindigkeit von kurzfristig knapp über 7 kn für sich verbuchen kann. Und das von einem MoBo-Fahrer.

Eineinhalb Stunden Später dreht der Wind weiter rück und kommt nun aus westlicher Richtung mit "brachialen" 1 Bft um gegen 14:00 komplett einzuschlafen.

Wenn der Wind einschläft, muss die Crew aufwachen weshalb wir um 14:00 Uhr die Segel bergen und den Rest der Strecke einmal mehr unter Maschine laufen.

Um 15:35 machen wir in Pula Fest.

Unsere Position in der Marina Veruda

ɸ 44° 50,330' N    ʎ 013° 50,514' E
Auch hier legen wir römisch-katholisch an und finden Moorings vor.
Der Liegeplatz hier kostet 48€ abzüglich 25% Rabatt. Worauf wir diesen Rabatt erhalten wissen wir nicht, nehmen ihn aber ohne Widerworte an.

Karsten dokumentiert im Logbuch 9,9 sm unter Segel und 9,3 sm unter Maschine.
Unsere bisherige Reisestrecke summiert sich hierdurch auf 69 sm.
Wir nutzen die frühe Ankunft dazu ausgiebig zu duschen und und landfein zu machen. Heute bekommt Karsten wieder Cevapcici und kann seine inoffiziellen Studien fortsetzen.


Mittwoch 08.06.2016 (4.Seetag)
ɸ 44° 50,330' N    ʎ 013° 50,514' E (Pula)

Same Precedure as every day.
Die Wettervorhersage verrät, dass auch die nächsten Tage nichts dazu beitragen werden, dass wir noch einmal die 7 kn-Geschwindigkeits-"Marke" erreichen werden. Vormittags E -SE Wind 0 - 2 Bft., ab Mittag dann SE 2 - 3 Bft. lassen zwar hoffen, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Die Zusammenfassung des DWD "schwache Luftdruck-Gegensätze" sowie der große Isobarenabstand der Seewetterkarte lassen vermuten, dass es heute und den Rest der Woche nicht spannender oder lebhafter wird als zu Beginn der Woche.
Also beschließen wir nach Rovinji zurück zu fahren und uns noch einmal Zeit für die Stadt zu nehmen. Die kleinen Gassen, Geschäfte, der Kirch-Vorplatz und die Aussicht davon über die vorgelagerten Inseln laden zum Verweilen ein.
 

Da unsere Schiff, wie bereits erwähnt, wenig Platz bietet, trennen wir uns heute für den Landgang und verabreden uns für später um gemeinsam zu essen. Während wir alle fleißig die Speisenkarte studieren weiß einer schon ganz genau, was er sich bestellen wird. Schließlich musste er sich schon bei seinem letzten Rovinji-Besuch der "Diktatur der Proletariates" beugen und Pizza essen.

Heute bescheinigen uns Loggenstand und der aufgezeichnete Plott 24 sm zurückgelegte Strecke was auch daran liegt, dass wir nach dem Auslaufen aus Pula ca. 1 Stunde Manöver übten.

Inzwischen ist allen Neulingen klar, dass zum Segeln ein Mindestmaß an Wind gehört. Befürchtungen, bei entsprechender Krängung könnte Übelkeit aufkommen, werden nicht mehr ernst genommen. Der Bordalltag mit zwei Schläfern im Salon wurde zur Routine und es wächst der Gedanke, 2017 in einem windsicheren Gebiet mit einem besser dimensionierten Schiff unterwegs zu sein. Wann, wo und wer hier mit von der Partie sein wird, wird - wie sich im weiteren Verlauf des Jahres zeigt - noch eine spannende Frage werden.

Für heute genießen wir einen tollen Abend in der Altstadt, dem Fischerhafen und realisieren, dass wir uns bereits auf dem Heimweg befinden und noch nicht mal 100 sm im Kielwasser haben.
Das soll und muss 2017 anders werden ohne uns unter Zugzwang zu setzen. Gute Seemannschaft geht vor.

ɸ 45° 04,568' N    ʎ 013° 38,112' E ist unsere abendliche Position.
Wer nun diese Angabe mit der unseres ersten Rovinji-Zwischenstopps vergleicht, wird ab den Nachkommastellen in Breite und Länge geringfügige Abweichungen feststellen, was daran liegt, dass wir bei unserem zweiten Besuch einen anderen Liegeplatz hatten. Die Genauigkeit von GPS gibt das her.


Donnerstag 09.06.2016 (5.Seetag)

Heute werden wir wieder Aus- und Einklarieren und auch dieser Umstand trägt dazu bei, dass wir mal über ein anderes Charterrevier nachdenken. Windreicher, weniger bürokratisch  soll es sein. Außerdem sollte es nicht all zu weit entfernt sein. Max. 4 Flugstunden.

Die Kontrolle von Wasser- und Treibstofffüllständen ergibt ca. 100 l Diesel (keine Ahnung warum ins Logbuch 99l eingetragen wurde) sowie ca. 390 l Frischwasser.

Der Seewetterbericht prognostiziert für die Adria schwach umlaufende Winde die später auf 3 - 4 Bft. sowie vereinzelte Gewitterböen zunehmen sollen.

Für Venedig (das uns ohnehin für unsere Reise nicht interessiert) wird Nebel bei westlichen Winden von 3 Bft. vorhergesagt. In Pula Wind aus NW mit 1Bft bei Regen. Der Luftdruck wird für den gesamten Mittelmeerraum mit 1012 hPa angegeben.

Auch heute schaffen wir es nicht vor 1100 Uhr auszulaufen. Luftdruck nach Bordinstrument/en  1006 hPa bei Windstille.

Wir laufen 2 Stunden unter Maschine mit ca. 1600 U/min. Der Luftdruck steigt gegen 1300 Uhr an und bleibt den Rest des Tages mit 1007 hPa konstant. Tatsächlich haben wir bis Erreichen der Marina und Zollstelle Umag Wind aus NE und können bei einem KÜG von 350° (später 325°) einen schönen Halbwind- bis Raumschotkurs segeln.

Von unserem  25 sm Tagesetappe legen wir 14 sm unter Maschine und 11 sm unter Segel zurück.

 


So schön das Revier auch ist, die administrativen Vorgänge sind zeitraubend und nerven, weshalb wir, auch nach dem Beitritt Kroatiens zur EU, Chartercrews nur empfehlen können in Kroatien zu chartern wobei hier Split ebenfalls als heißer Tipp zu nennen ist.

Unser Skipper Karsten hat wohl an Bord das größte Laufpensum zurück gelegt indem er sich immer wieder unter Deck darum kümmerte, dass wir keine VTGs kreuzen, rechtzeitig den neuen Kurs festlegte und die Einhaltung des Kurses überwachte.

Am Spätnachmittag des 09.06. notierten wir um 1652 MEZ

ɸ 45° 26,229' N    ʎ 013° 31,018 E als unsere Position im Logbuch.
Nachdem Umag keinesfalls so reizvoll ist wir Rovinji oder Piran, trafen wir schon erste Vorbereitungen für die Rückreise. Jeder entspannte auf seine eigene Weise bis zum kollektiven Futterfassen aufgefordert wurde.
 


Freitag 10.06.2016 (6.Seetag)

Die Wetterprognose hält auch für diesen, unseren letzten Urlaubstag auf dem Wasser, keine Überraschungen parat.
Unsere heutige Tagesetappe wird 13 sm betragen und auch heute werden wir wieder viel Zeit mit Aus- und Einklarieren verbringen. Darüber hinaus gilt es heute zu tanken, klar Schiff zu machen und alles Weitere für ein reibungsloses Auschecken vorzubereiten.

Die Fahrt nach Portorož findet bei Windstille - also unter Maschine statt. Unsere Tankanzeige lässt vermuten, dass wir noch immer ca. 90 l Diesel im Tank haben, was - wie sich später herausstellt - viel zu wenig geschätzt wurde, denn tatsächlich ist unser Tank mit 19,94 l Diesel wieder voll was rechnerisch 0,9965 l/h ergibt.

Da wir während unserer 20 Motorstunden den Motor meist zwischen 1100 und 1300 U/min laufen ließen (wir hatten ja Zeit). Vielleicht hätten ja beim Tanken auch noch 5 l Diesel mehr in den Tank gepasst, wodurch wir dann auf einen Durchschnittsverbrauch von 1,24 l/h kommen würden. Die Zeiten von Einbaumotoren, die im Flautenbetrieb 3,5 l/h oder mehr brauchen ist jedoch auf moderneren (selbst BJ 2002) Fahrtenyachten bei moderaten Motordrehzahlen vorüber.

Crew, die zum ersten Mal chartern möchte ich dennoch anraten mit 3 l/h zu rechnen, bzw. bei Schwerwetterfahrten auch mit einem höheren Verbrauch zu kalkulieren da hier in der Regel mit höheren Motordrehzahlen gefahren werden muss.

Beim Tanke zeigt Karsten noch mal sein ganzes Können als es um das Manövrieren der schwerfällig reagierenden Kristina auf engem Raum geht.

Nach 6 Urlaubstagen auf viel zu engem Raum haben wir 130 sm hinter uns gelassen. Davon 85 sm unter Maschine.
Dennoch konnten wir den Urlaub aufgrund der zahlreichen Landausflüge genießen und konnten, nicht zuletzt aufgrund der Zwangsstopps, speziell die An- und Ablege-Manöver vertriefen.
Für drei von sechs Teilnehmern war dieser Segelurlaub die erste Erfahrung auf einer Kielyacht die uns allen viel Spaß machte.

Inzwischen wurden die Urlaubsbilder untereinander ausgetauscht und ein Fotobuch erstellt.
Für 2017 plant Stefan eine Segelwoche auf einem ähnlich kleinen Schiff in einem Windsicheren Gebiet, den Kykladen.